Taxifahrer in London unterscheidet ein wesentliches Merkmal von Ihren Kollegen in anderen Städten. Wer in den schwarzen Londoner Taxis unterwegs sein will, braucht „das Wissen“. Damit ist gemeint, um eine Taxilizenz zu erhalten, müssen nachweislich 25.000 Straßen und 20.000 Sehenswürdigkeiten gekannt werden. Navigationssysteme sind ebenfalls nicht erlaubt. Das ist also hartes Gedächtnistraining!

Londoner Wissenschaftler haben sich dies zunutze gemacht und die Gehirne der Taxifahrer erforscht. Sie untersuchten, ob das Lernen der Straßen und ständige Beschäftigung mit dem richtigen Fahrweg das Gehirn verändert.

Das Ergebnis verblüffte: Taxifahrer in London haben mehr Nervenzellen in einem bestimmten Hirnareal, dem sog. Hippocampus, als vergleichbare Kollegen oder auch Busfahrer in London (die immer dieselbe Tour fahren). Dieses Gehirntraining bildet also neue Nervenzellen und die Anzahl der Nervenzellenverbindungen (Synapsen) erhöht sich. Somit wird das Gehirn insgesamt gestärkt.

Die Wissenschaftler gehen auch in dieser Studie davon aus, dass lebenslanges Erlernen von neuen Fähigkeiten die Hirnstruktur in jedem Alter verändern und verbessern kann (siehe auch Nonnenstudie). Diese Erkenntnis ist auch für Rehas nach Hirnverletzungen oder Schlaganfällen wesentlich. Das Hirn bleibt formbar!

Was ist der Hippocampus? Hierbei handelt es sich um einen Hirnbereich, der an der Orientierung zentral beteiligt ist (darum auch die Vergrößerung bei Londoner Taxifahrern). Man weiß aber auch, dass der Hippocampus wesentlich an der Abspeicherung (also Lernprozessen) im Gehirn beteiligt ist. Hier wird entschieden, was abgespeichert wird. Er ist Teil des sog. Limbischen Systems, das die Emotionen steuert.